SoLoMo – Social, Local, Mobile

Was ist SoLoMo?

SoLoMo beschreibt einen für den Einzelhandel sehr spannenden Trend, der sowohl gesellschaftlichen als auch technologischen Entwicklungen entsprungen ist. Das Akronym SoLoMo ist übrigens eine Wortschöpfung des amerikanischen Managers John Doerr aus dem Jahr 2010 und steht für die Verschmelzung der drei Megatrends Social, Local und Mobile [1]. Im SoLoMo-Konstrukt verschmelzen somit drei Komponenten miteinander, die – schon alleine für sich betrachtet – für das Marketing fundamentale Veränderungen und eine enorme Beschleunigung mit sich brachten und bringen. Die folgenden Zitate verdeutlichen dies:

„Kein Phänomen hat bisher die Menschen weltweit so vor ihrem Computer gefesselt wie Social Media.“ [2]

„Social. Local. Mobile. These are the sweeping trends in marketing today and for the foreseeable future. In terms of media consumption, they’ve come to dominate consumer attention. In terms of targeting and communication, they’ve opened dynamic new channels. In terms of data and measurement, they are nothing short of revolutionary. And in terms of technology, they are disrupting entire industries.“ [3]

In meiner Master-Thesis habe ich mich intensiv mit den theoretischen Grundlagen des SoLoMo-Konstrukts auseinandergesetzt und dessen Treiber und Interpendenzen erfroscht. Die primären Treiber der SoLoMo-Bewegung werden von den teilnehmenden Experten in Begriffen technologischer Natur gesehen: Social Media, Mobile Endgeräte und LBS (Location Based Services). Die Verschmelzung der Gebiete findet über die Begrifflichkeiten Identifizierbarkeit, Personalisierung, Kontextsensitivität, Interaktionsmöglichkeit mit der Umwelt, Lokalisierbarkeit und Check-in-Funktionalität statt [4]. Soviel zur Theorie. [Zur Master-Thesis „SoLoMo: das Zusammenspiel von Social, Local und Mobile. Eine empirische Untersuchung des Konstrukts anhand der Concept-Map-Methode“ ]

Was bedeutet SoLoMo für den Einzelhandel?

Für den Einzelhandel bringt SoLoMo – wie so viele Bewegungen – sowohl Chancen als auch Risiken mit sich. Das größte Risiko kann wohl darin gesehen werden, den SoLoMo-Trend ganz einfach zu ignorieren und weiterhin auf „besseres Wetter im Einzelhandel“ zu hoffen. Was es leider auch nicht gibt: ein Patentrezept „wie agiere ich, um den SoLoMo-Trend bestmöglich für mich zu nutzen?“. Es gibt inzwischen sehr viele Portale, Apps und sogar Produkt-Lösungen, die soziale, lokale und mobile Komponenten vereinen. Um besser zu verstehen, welche Lösung für meine Zielgruppe vllt. am Besten geeignet ist, ist es sinnvoll, sich einen groben Überblick über die technologischen und gesellschaftlichen Faktoren zu verschaffen:

Aus technischer Sicht bringen social, local und mobile folgende Komponenten mit sich:

  • Soziale Komponenten reichen von einfachen Sterne-Bewertungsfunktionen über Kommentar- und Sharing-Komponenten bis hin zu Community-Lösungen.
  • Lokale Komponenten reichen von einfachen Umkreissuchen über Lokalisierungsfunktionen bis hin zu Check-in-Services.
  • Mobile Komponenten reichen von Smartphones über Tablets bis hin zu Wearables und Web of Things.

Aus gesellschaftlicher Sicht bringen social, local und mobile folgende Faktoren mit sich:

  • Soziale Faktoren sind z. B. das Grundbedürfnis, soziale Kontakte zu pflegen, sich selbst darzustellen, oder das Gefühl, gemeinsam mehr erreichen zu können. Emotionen spielen hier eine große Rolle.
  • Der lokale Faktor ist ganz einfach zu erklären: Alles, was aktuell in meinem Sichtfeld oder in erreichbarer Nähe ist, hat für mich eine höhere Relevanz als Geschehnisse in weiter Ferne. (Außer ich plane, diesen fernen Ort zu besuchen.)
  • Der mobile Faktor hängt mit der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung zusammen: Wir sind immer mehr unterwegs und haben das Bedürfnis, unsere Zeit sinnvoll zu nutzen – z. B. indem wir uns über Dinge informieren oder kommunizieren. Mobile Technologien ermöglichen uns dies.

Die technolgischen Entwicklungen ermöglichen uns also, unseren sozialen Grundbedürfnissen in einer beschleunigten Gesellschaft nachzukommen – und zwar immer und überall. In vielen Bereichen wird schon sehr gut auf die SoLoMo-Bewegung eingegangen (egal ob SoLoMo genannt oder nicht). Z. B. versteht es Nike sehr gut, den SoLoMo-Trend zu leben.

Fallbeispiel Nike

Bei allen digitalen Aktivitäten steht der Nutzer im Fokus, sodass auf seine SoLoMo-Bedürfnisse gezielt eingegangen wird. Mit seiner Plattform Nike Plus verbindet Nike die Nutzer untereinander. Community-Miglieder können Ergebnisse teilen und sich batteln (= Social).

„Nike taps in to the competitive nature of athletes with elements of challenge and sharing results; however, they wisely suggest that self expression is also a form of sharing.“ [5]

Mit Nike Plus, der zugehörigen App und einem zugehörigen Armband, können via GPS Laufrouten getrackt werden (= Local). Nike kreiert somit ein lokales Markenerlebnis. Die Komponente Mobile wird auf besondere Weise neu definiert, indem zusätzlich zur App ein Wearable in Form eines GPS-Armbands in das Produktkonzept aufgenommen wird.

Fazit

So wie Nike seine eigene SoLoMo-Welt geschaffen hat, muss jeder Einzelhändler für sich überlegen, wie und wo er seine Zielgruppe abholen kann. Es gibt schon viele Plattformen und Apps, auf die dabei zurückgegriffen werden kann, aber auch eigene kreative Lösungen können den richtigen Weg darstellen.

Quellen & zum Weiterlesen

[1] NEWELL, BARRETT (2014): SoLoMo 4 Years Later: The New Ideas Driving A Familiar Concept

[2] PETERSON, MICHAEL / BLUM, SEBASTIAN D. / HABEL, JOHANNES (2013): Wie aus Usern Kunden werden – Entwicklungen und Umsetzungen einer erfolgreichen Social Media Strategie. In: Social Media und Brand Community Marketing: Grundlagen, Strategien und Erfolgskonzepte aus der Praxis (2013), S. 167-185.

[3] REED, ROB (2011): The SoLoMo Manifesto Or Just About Everything Marketers Need to Know about the Convergence of Social, Local, and Mobile. Whitepaper. momentfeed.com.

[4] BEUTHNER, CORINNA (2015): SoLoMo: das Zusammenspiel von  Social, Local und Mobile. Eine empirische Untersuchung des Konstrukts anhand der Concept-Map-Methode. Master-Thesis.

[5] RUIZ, JOE (2013): SoLoMo Best Practices – Nike Case Study.

[6] RINGEL, TIM (2011): SoLoMo. Die Social Local Mobile Bewegung. In: Torsten Schwarz (Hrsg.): Leitfaden Online-Marketing. Das kompakte Wissen der Branche (2011), S. 824-834.

[7] HEINEMANN, GERRIT (2014): SoLoMo – Always-on im Handel Die soziale, lokale und mobile Zukunft des Shopping. Springer.

 

 

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